Datum
05.07.1971Medium
B.Z.Ausgabe
282Seite
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Wolfgang SchöneFabrikgebäude besetzt
Polizei nahm 76 Jugendliche fest
Eine größere Gruppe von Lehrlingen und Schülern besetzte in der Nacht zum Sonntag zwei Etagen eines leerstehenden Fabrikgebäudes in der Mariannenstraße 13 in Kreuzberg. Der Grund der Aktion: Die Jugendlichen wollen in dem ungenutzten Gebäude ein Jugend- und Lehrlingszentrum einrichten. Eine Etage hatten sie zu diesem Zweck bereits in der vergangenen Woche von der Hausverwaltung gemietet.
Um ihre Pläne verwirklichen zu können, benötigen die jungen Leute jedoch die drei anderen leerstehenden Etagen. Aber die Hausverwaltung soll erklärt haben, man wolle das Treiben der Jugendlichen zunächst auf unbestimmte Zeit beobachten, um dann zu entscheiden, ob weitere Etagen freigegeben werden sollen oder nicht.
Das wiederum brachte die Lehrlinge auf die Palme. Denn ihrer Meinung nach ist es nicht einzusehen, warum die anderen Etagen des im Sanierungsplan in einigen Jahren zum Abriß vorgesehenen Hauses ungenutzt bleiben sollen.
Kurz nach der spontanen Besetzung rückte jedoch die Polizei an, um "die Ordnung" wiederherzustellen. 76 Jugendliche wurden vorläufig festgenommen.
Nach einigen Beschwerden über die Behandlung in den Polizeizellen tauchten gestern vormittag der amtierende Kommandeur der Schutzpolizei, Erhard Börner, und Landespolizeidirektor Günter Dittmann in der Fabrik auf. Sie fanden nach längerer Diskussion das Jugendzentrumprojekt "dufte" und versprachen, den Kreuzberger Jugendstadtrat Erwin Beck einzuschalten.
Der Stadtrat suchte die Lehrlingsgruppe noch gestern nacht auf, ließ sich über die Pläne unterrichten und versprach den Jugendlichen seine Unterstützung. Die Lehrlinge wollen eine Werkstatt für Metall- und Holzverarbeitung, ein Fotolabor, Räume für kostenlose medizinische Beratung und für eine Lehrlings-Theatergruppe einrichten.





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