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Datum

15.12.1971

Medium

B.Z.

Ausgabe

291

Seite

7

AutorIn

Evelyn Köhler

Besetzer stellen Forderungen

In einer Stundenlangen Sondersitzung beschäftigten sich gestern das Bezirksamt Kreuzberg und Senatsstellen mit der "Besetzung" des ehemaligen Bethanien-Krankenhauses. Wie die BZ berichtete, hatten am Mittwochabend nach einem Teach-in in der TU rund 150 Jugendliche das Martha-Maria-Haus in Beschlag genommen. Sie forderten, daß alle 96 Zimmer des Traktes für Wohngemeinschaften, in denen Schüler, Lehrlinge und Trebegänger unterkommen sollen, vom Bezirksamt zur Verfügung gestellt werden sollen. Wie die BZ in einem Teil der gestrigen Auflage berichtete, war das seit anderthalb Jahren leerstehende Krankenhaus ohnehin für Jugendarbeitsgruppen vorgesehen.

Gestern abend unterbreitete Stadtrat Erwin Beck den rund 150 Demonstranten einen Kompromißvorschlag: Als Modellversuch sollen acht bis zehn Jugendliche in einer Etage des ehemaligen Schwesternheimes untergebracht werden. Die Jugendlichen beantworteten diese Alternative mit scharfem Protest. Sie wollen an ihrer Forderung festhalten.

...aber der Senat soll bezahlen

· Die Selbstverwaltung des Martha-Maria-Hauses, das gestern in "Georg von Rauch-Haus" umbenannt worden ist.
· Zehn vom Senat bezahlte Sozialarbeiter, die sich die Gruppe aussuchen will.
· Eine ärztliche Praxis, die kostenlos entlaufene Heimzöglinge, Suchtabhängige, Lehrlinge und Schüler behandelt.
· Zusammenhängende Gruppenarbeit, die vor allem Therapiemaßnahmen für Jugendliche aus Heimen vorsieht.
· Kostenübernahme dieses Modells durch den Senat

Stadtrat Beck versuchte die Demonstranten zu beschwichtigen: "Ich weiß, daß auf dem Gebiet der Jugenderziehung zu wenig getan wurde. Aber wenn man den Bogen überspannt, werden die Rechten siegen." Er versicherte den Jugendlichen, daß sie mindestens bis heute Mittag in dem ehemaligen Schwesternheim bleiben dürfen. Gegen 13 Uhr will er sich mit den Delegierten der Gruppe zu einer Diskussion im Rathaus Kreuzberg treffen.

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