Datum
00.01.1984Medium
MusikszeneAusgabe
1/84Seite
31AutorIn
Nobby ScholzTon Steine Scherben
Köln - Luxor
Was da im Luxor letzte Woche auf der Bühne stand, war und ist ein Stück deutscher Rockgeschichte, das alles, was so in bundesrepublikanischer Landessprache erschienen ist, maßgeblich beeinflußt hat. Dennoch haben TSS den Status anarchischer Eigenbrödler eigentlich bis heute nicht verlassen, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, daß sie sich bis heute jeglicher Vermarktungsstrategien der Plattenkonzerne und guten Kontakten zu den Medien versagt haben. Und ich muß gestehen, daß ich mit einigen Vorurteilen, à la "spröder Politrock", zu dem Konzert gegangen bin. Immerhin haben TSS derer gleich drei an aneinander folgenden Tagen.
Doch was dann, am zweiten Tag schon vor mehr Hörvolk, vor den niedrigen Brettern des Luxor ins Auditorium preschte, war so ziemlich das intensivste an Rock-Konzert, was ich seit längerem zu lauschen bekam. Energiegeladene Riffs, fernab davon, so alt zu sein, wie's die Geschichte der Gruppe vermuten lassen könnte, und darüber das Wahnsinns-Organ von Rio. Laut einem Verlagskumpel der's wissen müßte, das Vorbild der meisten hierzulande beheimateten Rock-Sänger. Selbst Purple von der "Neuen Heimat" wird mir da nicht widersprechen, glaub' ich. Doch das Salz im kräftig gewürzten TSS-Süppchen sind die Song-Texte. Scharf beobachtete Alltäglichkeiten werden nach dem klassischen TSS-Motto "Keine Macht für niemand" serviert. Was aber nicht bedeuten soll, daß nun ausschließlich Totalverweigerung gepriesen wird. Doch wer immer heute Songlyriks schreibt, die komplexe Gesellschafts-Erscheinungen knallhart auf den allseits verständlichen Punkt gebracht behandeln, wird kaum glaubhaft machen können, daß er noch nie was von TSS gehört hat. Hier stimmte alles, und der verdiente Erfolg ist noch lange nicht groß genug.





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