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Datum

20.04.1972

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Rheinische Post

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AutorIn

Gabriele Müller

Großrazzia im Jugendzentrum

Berlin - Als Unterschlupf einer Anarchistengruppe entpuppte sich ein Gebäude des früheren Bethanien-Krankenhauses in Kreuzberg. Bei einer Großrazzia fand die Polizei gestern Feuerlöscher des Typs, der bei einem Sprengstoffanschlag auf den britischen Jachtclub am 2. Februar verwendet worden war. Bei dem Anschlag war ein 66jähriger deutscher Bootsbauer getötet worden. Ferner entdeckten die Beamten präparierte Rohre für Sprengsätze und andere Beweismittel zu verschiedenen Sprengstoffverbrechen der letzten Zeit.

Ende vergangenen Jahres hatten Jugendliche das Martha-Maria-Haus des seit längerer Zeit leerstehenden Bethanien-Krankenhauses besetzt und in "Georg von Rauch-Haus" umbenannt, nach dem Anarchisten, der bei einer Schießerei mit Polizisten getötet worden war. Die Jugendlichen richteten in dem alten Backsteingebäude eine sogenannte "Basisgruppe Heim- und Lehrlingsarbeit" ein. Doch bald wurde deutlich, daß eine Anarchistengruppe dort Unterschlupf gefunden hatte. Im ehemaligen Krankenhaus sollen Sprengsätze hergestellt und Ausweispapiere gefälscht worden sein.

Um: vier Uhr morgens umstellten etwa 400 Schutz- und Kriminalpolizisten daß "Georg von Rauch-Haus" und begannen mit der gründlichen Durchsuchung. Sie trafen 63 Personen an, vorwiegend Jugendliche, aber auch Kinder. 27 Personen wurden vorläufig unter dem Verdacht festgenommen, verschiedene Straftaten verübt zu haben, darunter Sprengstoffanschläge und Ausweisfälschung. Die im Schlaf überraschten Bewohner hatten keine Gelegenheit zur Flucht oder Gegenwehr. Die Groß-Razzia war nach drei Stunden beendet. Dabei wurden auch Instrumente, die zur Abtreibung benutzt wurden, sowie rezeptpflichtige Medikamente gefunden.

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