Datum
07.01.1972Medium
B.Z.Ausgabe
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Evelyn KöhlerKontroversen um Bethanien
CDU löste heftige Debatte aus
Zu heftigen Kontroversen kam es gestern auf einer außerordentlichen Bezirksverordnetenversammlung in Kreuzberg zwischen der SPD und der oppositionellen CDU. Es ging um die "Besetzung" des Martha-Maria-Hauses auf dem Gelände des ehemaligen Bethanien-Krankenhauses. Die CDU wollte wissen, was das Bezirksamt getan habe, "um ähnlichen Übergriffen in Kreuzberg künftig vorzubeugen".
In ihrer Antwort versicherten Vertreter des Bezirksamtes, leerstehende Häuser sollten künftig frühzeitiger genutzt werden. So hoffe man, in Zukunft ähnliche Vorfälle zu vermeiden.
Zuvor hatte die CDU darauf hingewiesen, daß der "Fall Bethanien" einen Rechtsbruch darstelle, der in aller Öffentlichkeit verurteilt werden müsse. Weiter warf die CDU dem Bezirksamt vor: Die Behörde habe sich zu faulen Kompromissen und voreiligem Handeln verführen lassen.
Diese Überlegung war auch der Anlaß der großen Anfrage der CDU-Fraktion. "Was hat das Bezirksamt übernommen, um die rechtswidrige Inbesitznahme des ehemaligen Martha-Maria-Hauses im Bethanienkomplex durch überwiegend jugendliche Personen zu beenden", lautete der erste Teil der Großen Anfrage der CDU-Fraktion.
Bezirksbürgermeister Günter Abendroth und Jugendstadtrat Erwin Beck erwähnten in ihrer Antwort, daß inzwischen eine Rechtsgrundlage dadurch geschaffen worden sei, daß ein Nutzungsvertrag mit dem Jugendzentrum e.V. abgeschlossen wurde.
In der Debatte wurden die Vorwürfe der CDU scharf zurückgewiesen. Sprecher der SPD betonten, man habe hier ein Modell versucht, bei dem jungen Menschen die Möglichkeit gegeben wurde, sich selbst zu entfalten. Hätte man nach der Besetzung die Polizei um die Räumung gebeten, dann wäre das Problem von 500 entlaufenen Heimzöglingen, die sich ohne Wohnsitz in Berlin herumtreiben, auch nicht gelöst worden.





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