Datum
19.04.1972Medium
Der AbendAusgabe
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HESTerror-Zentrale ausgehoben
Bei "Bethanien" eingerückt
Eigenbericht "Der Abend"
HES BERLIN, 19. April
HES BERLIN, 19. April
Eine Großrazzia nahmen Beamte der Schutz- und der Krimalpolizei heute in den frühen Morgenstunden in dem seit einiger Zeit von Jugendlichen besetzten sogenannten Georg-von- Rauch-Haus" auf dem Gelände des ehemaligen Bethanien-Krankenhauses in Kreuzberg vor. Rund 400 Beamte umstellten das Gelände am Mariannenplatz 1a und durchsuchten die Räume. Wie ein Sprecher der Politischen Polizei dem ABEND nach Abschluß der Aktion auf Anfrage mitteilte, wurden Beweismittel für Sprengstoff-Verbrechen der jüngsten Zelt" sichergestellt.
Darunter sind nach Auskunft des Sprechers auch solche, die in Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag auf den Britischen Yachtclub in Kladow stehen, bei dem am 2. Februar der 66 Jahre alte deutsche Bootsbauer Straße benutzt worden sei.
Bei den Ermittlungen zur Aufklärung der Sprengstoff- und Brandanschläge der letzten Monate hatte die Politische Polizei auch die Bewohner des "Georg-von-Rauch-Hauses" observiert. Die politische Polizei teilte dazu heute früh mit, daß ihr bekanntgeworden sei, daß in dem Gebäude Feuerlöscher des gleichen Typs aufbewahrt worden seien, wie sie bei dem Anschlag auf den Britschen Yachtclub verwandt worden seien. Außerdem habe man ein "präpariertes Rohr" gefunden, bei dem es sich vermutlich um den Sprengsatz handelte, der bei dem Anschlag auf das BVG-Gebäude in der Potsdamer Straße benutzt worden war.
Mit einem Beschluß des Amtsgerichts Tiergarten im "Rahmen eines Ermittlungsverfahrens" wegen Mordes zum Nachteil des Bootsbauers Erwin Beelitz" lief die Großaktion heute früh um 4 Uhr an. Nach ersten Angaben der Politischen Polizei hielten sich zum Zeitpunkt der Razzia 63 Personen in dem Gebäude auf.
27 davon wurden unter dem Verdacht, verschiedene Straftaten verübt zu haben, darunter Sprengstoff-Verbrechen und Ausweisfälschungen, vorläufig festgenommen. Ihre Überprüfung dauerte bei Redaktionsschluß des ABEND noch an.
Wie berichtet, hatte die Politische Polizei bereits vor einiger Zeit den Verdacht geäußert, daß die jüngsten Sprengstoffanschläge alle auf das Konto ein- und derselben Anarchistengruppe kämen.





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