Datum
23.12.1981Medium
die tageszeitungAusgabe
Seite
5AutorIn
Q.Ideal, Steine, Scherben
Der Ton macht bekanntlich die Musik. Mißtöne aber nur Krach. Vor und in der Eissporthalle zu Bertin gab es Montag abend Krach. Draußen, weil einige nicht umsonst und sofort hineingelassen wurden. Ein Ritual. Mechanik der Veranstaltungen, bei denen Geld verlangt wird.
In der Halle gab es Krach, der von zwei Mythen übertont wurden. Zuerst "Ideal". wegen deren Musik viele gekommen waren. Musik, deren Takte ins Tanzbein gehen. Musik, die steh stilistisch wiederholt. Musik, die auf einer Welle reitet. Musik. Musik. Musik, ich steh auf Musik...
Bei der Zugabe durften die letzten draußen Wartenden hinein.
Pause - Umbau - Spannung.
Als "Ton, Steine, Scherben" ihr neues Liedgut vorstellen wollten, trat das übliche Dilemma zutage. Die Technik, eine Halle zu beschallen, versagte gründlich. Ob es allerdings nur daran gelegen hat, daß sich das Publikum wahrend des Auftritts um die Hälfte reduzierte, bleibt
dahingestellt. Die Scherben standen im Scheinwerferlicht und kämpften mit ihren Schwierigkeiten, mit ihrem Mythos, mit der Erwartung, immer nur die alten Lieder hören zu wollen. Ein paar dieser Lieder gab es zwischen Liebensliedern doch noch. In einer neuen Verpackung, mit einer Prise Ironie. Einigen war das schon zu viel. So brachen sie ihre Zugabe ab. Es stank. Nach Stinkbomben.
Die Schäden, ein paar zerbrochene Scheiben, werden zu Lasten der Instandbesetzer gehen, für die das Konzert auch organisiert worden war. "Ideal" hat ihre Deutschlandtournee zum Abschluß gebracht. "Ton Steine Scherben" werden hoffentlich auf ihrer Reise durch das Land, das nicht das unsere ist, Musik machen, die nicht immer wieder in unnötigen Krach endet, in der Verstimmung. die es allen so leicht macht, uns gegeneinander auszuspielen.





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