Datum
06.12.1971Medium
B.Z.Ausgabe
283Seite
4AutorIn
Wolfgang Schöne, H.-J. Nicolai, Peter Finken, Peter AuerDas war Georg v. Rauch
Georg von Rauch, der am Sonnabend bei einer Schießerei tödlich getroffen wurde, galt in eingeweihten Kreisen als einer der radikalsten Anarchisten in Berlin. Am 12. Mai 1947 in Marburg geboren, kam von Rauch bereits vor einigen Jahren nach Berlin und ließ sich an der FU als Student der Philosophie einschreiben. Schon zur Zeit der gewaltsamen Demonstrationen machte von Rauch mit der Polizei Bekanntschaft. Später schloß er sich Anarchistengruppen an. Er ist vermutlich mitverantwortlich für eine Reihe von Brandstiftungen, Bombenanschlägen und anderen Straftaten.
Gegen ihn liefen Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch beim Landratsamt bamberg und in Berlin wegen Widerstandes bei der alliierten Parade im Mai 1970 sowie wegen menschengefährdender Brandstiftung in der Bank für Gemeinwirtschaft im Herbst 1970.
Georg von Rauch war am 6. Februar 1970 nach einem Überfall auf einen Quick-Journalisten zusammen mit zwei Komplicen festgenommen, nach kurzer Haft jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Weil er seinen gerichtlichen Auflagen nicht nachkam, wurde er im Oktober 1970 erneut verhaftet.
Während des Prozesses gegen ihn wegen versuchten Raubes, Freiheitsberaubung und versuchter Nötigung am 8. Juli dieses Jahres gelang es ihm, durch einen Trick zu entkommen. An Stelle seines auf Gerichtsbeschluß zu entlassenen Mitangeklagten Thomas Weissbecker hatte sich von Rauch aus dem Gerichtssaal entfernt. Als die Verwechslung bemerkt wurde, war er verschwunden.
Nach letzten Erkenntnissen der Polizei ist der 24jährige offensichtlich erst danach zum harten Kern der Baader-Meinhof-Bande gestoßen. Zuletzt war er von einem Beamten der Abteilung 1 vor etwa zwei Wochen im KaDeWe erkannt worden. Er konnte sich jedoch der Festnahme in dem überfüllten Kaufhaus entziehen.





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