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Zeitraum
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Datum

20.09.2017

Medium

soultrainonline.de

Ausgabe

Seite

AutorIn

Marco Steinbrink

Ton Steine Scherben – In Dub

Ton Steine Scherben – In Dub (Echo Beach/Indigo)

Zugegeben: Ton Steine Scherben ist nicht ursprünglich ein Thema für ein Magazin wie den SOUL TRAIN @ soultrainonline.de, in dem wir eigentlich grundsätzlich versuchen, „Soul, Funk, Jazz & Urban Grooves“ vorzustellen.

Dass es nun trotzdem soweit ist, die deutsche Rockband-Legende und politisches Musikorgan und Kulturikone der Siebziger Jahre um den unvergessenen, charismatischen Rio Reiser (der SOUL TRAIN berichtete) mit ins Programm zu nehmen, ist dem Umstand geschuldet, dass sich ihr neues Werk (Ton Steine Scherben trennten sich 1985 und formierten sich ganze 29 Jahre später, 2014, mit, verständlicher Weise, geändertem Line-Up, neu), der Titel lässt grüssen, die Überarbeitung zum Hybrid-Dub/Rock-Album auf die Fahne geschrieben hat – ein Unikum.

Um es vorweg zu nehmen: Die in der Theorie skurril anmutende Paarung von retrospektivem, avantgardistischem Deutschrock mit stampfenden, hypnotischen, Nebelschwadenverhangenen Dub-Linien funktioniert bestens; sogar so gut, dass man fast meinen könnte, dass dies der Ursprung, die Jungfernfahrt der 13 klassischen Ton Steine Scherben-Titel (der CD – übrigens in schickem Vinyl-Design) ist.

Auch der Umstand dass laut beigefügter Presseinfo die Geschichte der Dub-Variante von Ton Steine Scherben vor mittlerweile 20 Jahren begann, ändert wenig am gänzlich neu funktionierenden Habitus von „In Dub“, das beim Dub-Label Echo Beach (einmal mehr: der SOUL TRAIN berichtete) erschienen ist und auch für jene, denen Ton Steine Scherben bisher allenfalls durch dokumentarische Musikrückblicke der dritten TV-Programme oder als BRD-Kulturikone ein Begriff war, ungemein unterhaltsam ist.

Dass man grundsätzlich avantgardistisches Gedanken- bzw. Musikgut sowie Dub in seinen Adern haben sollte, in den vollen Genuss des kongenialen Albums zu kommen, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt – Nicolai Beverungen von Echo Beach gelingt es hier, den Geist und die politische Tragweite, heute allenfalls geschichtlich verklärt und mit einem ironischen, süffisant-verklärten, pseudopolitischen Grinsen versüßt, mit fast gefälligem Dub und Grenzübergreifenden Reggae-Vibes zu paaren.

Als eine Art „Best Of“-Kompilation von Ton Steine Scherben, die eine Handvoll Alben unterm Kiel haben, aus denen die Teutonische Musikkultur teils heute noch Ideen und Schlüsse zieht, kann „In Dub“ inklusive Hits wie dem legendären „Lass uns ein Wunder sein“ (gleich mit zwei Versionen vertreten) zwar nur bedingt herhalten, als eine Art neugefundener und damit erzinnovativer Fusion zwischen BRD-Rock-Historie und herrlich unpassendem Dub trifft das Album jedoch mitten ins Schwarze.

„In Dub“ von Ton Steine Scherben ist ein Album mit tiefschwarzer, protestierender, aber auch augenzwinkernder, gegen den Strich gebürsteter Seele und dem Willen, dass Dub ebenso wie Rock, Pop, Soul und überhaupt alle anderen Musikströmungen, denen schon mal Namen gegeben wurden, eigentlich doch eine große Familie sind: keine Macht der Eintönigkeit, beziehungsweise: Wer einmal Musik benennt gehört schon zum Establishment, oder zumindest so ähnlich…

„In Dub“ von Ton Steine Scherben ist übrigens auch, ganz Dub, auf magischem Vinyl erhältlich – coole Sache.

Anmerkungen

Quelle:
http://www.soultrainonline.de/ton-steine-scherben-in-dub/

Rezension zum Tonträger

In Dub (Ton Steine Scherben, 2017)
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