Datum
15.12.1971Medium
Berliner MorgenpostAusgabe
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J. GrabowskyDie drei Interessengruppen waren zu keinen Kompromissen bereit
Diskussion um Martha-Maria-Haus wurde ergebnislos abgebrochen
Die Szene glich einem Tribunal. Der Mann, der gern allen helfen möchte, mußte sich von seinen Gesprächspartnern herbe Kritik gefallen lassen. Kreuzbergs Jugendstadtrat Erwin Beck (SPD) empfing gestern früh Abordnungen von insgesamt drei Arbeitsgruppen, die an einer Unterbringung im am Mittwochabend von Jugendlichen besetzten Martha-Maria-Haus interessiert sind. Indes, eine Entscheidung, wer welchen Platz in dem Gebäude bekommen soll, fiel gestern nicht. Das Bezirksamt will heute noch einmal über die "Platzverteilung" beraten.
Noch längst nicht abgeschlossen sind die Auseinandersetzungen um das Martha-Maria-Haus auf dem Gelände des ehemaligen Bethanien-Krankenhauses am Kreuzberger Mariannenplatz. Dieses Gebäude wurde bei der Zukunftsplanung für die historischen Gebäude der Abteilung Jugend und Sport im Bezirksamt Kreuzberg zugesprochen. Drei Arbeitsgruppen möchten es für ihre Tätigkeit haben.
· Die Eltern-, Kinder-, Schülergruppe "Modell Florian". In dieser Institution arbeiten freiwillige Helfer und Eltern mit Schülern und Kindern nach einem selbstentwickelten pädagogischen Konzept.
· Das "Jugendzentrum e.V.". Diese Gruppe besteht aus Lehrlingen, Jungarbeitern, Schülern und Studenten, die sich "mit der Situation der Jugendlichen am Arbeitsplatz, in der Lehre, in der Berufsschule, in der Schule und im Elternhaus beschäftigen". Mitglieder dieser Gruppe hatten in der Nacht zum Donnerstag das Haus auf dem Bethaniengelände besetzt.
· "Release Berlin e.V., Zentrum zur Bekämpfung der Rauschmittelsucht". Diese Instutition - sie wird von zwei Pfarrern geleitet - befaßt sich mit der Resozialisierung von rauschgiftsüchtigen Jugendlichen. Zur Zeit ist dieser Verein in der Dennewitzstraße 33 (Tiergarten) aktiv.
Einzige Möglichkeit
Das "Jugendzentrum" beansprucht das ganze Haus für seine Arbeit. Der Jugendstadtrat - er möchte allen helfen - hat aber nicht für alle den Raum zur Verfügung, der von den einzelnen Gruppen beansprucht wird. Seine einzige Möglichkeit: die zur Verfügung stehenden Räume an alle drei Gruppen zu verteilen. "Das ist meine einzige Möglichkeit. Mehr habe ich nicht. Ich will allen Interessenten helfen. Da müssen wir eine Kompromißlösung finden." Das sagte Erwin Beck in einem Gespräch mit der Berliner Morgenpost.
Die Interessenten wollen aber keinen Kompromiß. Bei den Treffen der Abordnungen mit dem Stadtrat wurde deutlich, daß alle Interessenten an dem Martha-Maria-Haus den Vorrang vor jeder anderen Gruppe haben möchten.
Erwin Beck hat großes Verständnis für das Anliegen aller. Seine Begründungen für eine Kompromißlösung wurden von den Besuchern nicht akzeptiert. Der Stadtrat hatte zeitweilig Schwierigkeiten, seine Meinung zu dem Problem darzulegen. Man wollte ihn nicht immer ausreden lassen.
Heute will das Bezirksamt eine Entscheidung über die Aufteilung der Räume im Martha-Maria-Haus treffen. Abends will der Jugendstadtrat den Interessenten Rede und Antwort stehen.





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