Datum
00.08.2006Medium
melodie & rhythmusAusgabe
11Seite
56-61AutorIn
Christina SchützeVolkssänger
Zum 10. Todestag von Rio Reiser 09.01.1950 - 20.08.1996
Rio ist nun zehn Jahre tot – für die Meisten ein schmerzhafter Verlust - und doch hat er sich unsterblich gemacht. Zusammen mit den Ton Steine Scherben lieferte er den Soundtrack zu einer Aufbruch- und Umbruchstimmung, die in den 70er und 80ern (West)deutschland stark bewegte. Rio als Solokünstler löste dagegen eher die private, innere Revolution aus. Diese war vielleicht weniger laut, aber nicht weniger radikal und vor allem ohne Ende. Rio hat sich oft genug selbst gebrochen und wieder zusammengeflickt. Er war genauso wenig ein Heiliger wie jeder andere Mensch auch. Selbst Rio musste auf Toilette die Hosen runter lassen. Er vereinte viele Widersprüche: Sozialismus mit Religion, Verletzlichkeit mit Rock 'n' Roll, nur den Widerspruch Freigeist und Showbiz zu vereinen, gelang ihm nicht vollständig. Er war einer von wenigen, die die deutsche Musiklandschaft prägten und darüber hinaus Einzug in die Herzen vieler Menschen hatte.
Macht kaputt was euch kaputt macht
Die Geschichte von Ton Steine Scherben und Rio Reiser sorgte und sorgt regelmäßig für einen Schwall von empörten Aufschreien. Zunächst aber wurden sie von ihren Anhängern gefeiert wie Take That von den Teenies. Ton Steine Scherben entstanden aus dein Hoffmanns-Comic-Teater (HCT), bei dein Rio zusammen mit R.P.S. Lanrue Komponist war. Nachdem Rio merkte, dass sich seine Vorstellungen nicht mit dem deckten, was er tat, suchte er sich eine eigene, unabhängige Band. Geboren wurden die Scherben zusammen mit der ersten eigenen Single, auf der zwei Songs („.Macht kaputt, was euch kaputt macht" und "Wir streiken") veröffentlicht wurden. Zu deutschlandweiter Bekanntheit brachten sie es 1970 auf dem „Festival der Liebe" auf Fehmarn. Während des Auftritts wurden das Organisationsbüro und später auch die Bühne von aufgebrachten Hippies in Flammen gesetzt, da sich die Veranstalter mit den Einnahmen aus dem Staub gemacht hatten. Der Anfang war gemacht für eine neue Ära - nicht nur für die Band, sondern auch für ganz Deutschland, wenn man das so euphemistisch sagen darf.
Musik ist eine Waffe
Ton Steine Scherben — so wird oft behauptet, untermalten musikalisch die 68er-Bewegung, doch sie fühlten sich eher der Lehrlings-, als der Studentenbewegung zugehörig, die vor lauter Intellektualität nicht wusste wohin mit sich. Rio schrieb in dem Manifest der Scherben: ,,Unser Publikum sind Leute unserer Generation: Lehrlinge, Rocker, Jungarbeiter, Leute in und aus Heimen. Von ihrer Situation handeln unsere Songs." In einem Interview mit dem MDR sagte Rio Reiser zudem: "Wir hatten keine Lust, nur geholt zu werden, um irgendwelche bestimmten Sachen zu bedienen und das trifft eigentlich nur die Unistädte." Dass „Allein machen sie dich ein" selbst auf rechtsradikalen Demos gespielt wird, ist wohl dann das Opfer, was man bringen muss, wenn man bewusst auf „volkstümlich" und „mitsingen" aus ist. Die Scherben machten sich anfangs vor allein mit Hausbesetzungen einen Namen, die nach ihren Konzerten initiiert wurden. Gedacht vor allein als 'Treffpunkt für Trebehänger, Heimkinder auf der Flucht, entwickelten sich die besetzten Häuser zu beliebten Jugendzentren.
Zwischen Null und Zero
Als Rio später als Solokünstler auch andere Teile des Volks erreichte, betitelte man ihn als „einzigen, wirklichen Volkssänger". Das war für ihn keineswegs Widerspruch zu seiner revolutionären Vergangenheit, denn er war schon immer einer fürs Volk und aus dein Volk. Trotzdem musste er sich aus der linksradikalen Ecke diverse Schimpfwörter gefallen lassen. Zugegeben - Rio war auf seinen Soloplatten textlich wie musikalisch weniger radikal. Auch unabhängige Musikkritiker vermissten Tiefsinnigkeit und beschwerten sich über die Plumpheit seiner Lieder. Andere dagegen waren begeistert - musste man doch einfach nur genauer hinhören, zwischen den Zeilen lesen. Er wollte kein Museumsstück sein, wie er bereits 1988 der M&R [Zeitschrift Melodie & Rhythmus; Anmerkung R. Kneschke] zu Protokoll gab. Er musste jedoch feststellen, dass sich Künstler nie wirklich gegen das ständige Drücken der Repeat-Taste wehren können. Rio überraschte dafür mit ganz anderen radikalen Raritäten. Er sorgte vor allem für deutschlandweite Empörung, als er 1990 in die PDS eintrat. Als Begründung lieferte er: Weil sie das einbringt, was an der DDR wichtig und gut war." Damit schaffte er zu vielen seiner übrig gebliebenen Anhänger den endgültigen Bruch. „Wir sind in keiner Partei und keiner Fraktion" - so stand es im Manifest der Scherben geschrieben. Mit dem Beitritt in die PDS hat er zumindest diesen Satz in den Wind geschossen. Radiostationen und auch der Musiksender VIVA weigerten sich daraufhin, seine Musik zu spielen bzw. Videos zu zeigen. Seine Radikalität stellte er auch gern in Talkshows unter Beweis. Er besaß 1987 unter anderem die „Dreistigkeit", in der ZDF Talkshow "Live" kund zu tun, dass er den Freistaat Bayern aufgrund eines Gesetzes zur HIV-Eindämmung vorerst meiden wird. Er biss auch gern mal den Tankmoderatoren in den Schenkel, wenn die fragten, ob Rio Reiser wohl seinen Biss verloren hat.
Auch nach seinem Tod sorgt er für jede Menge Wirbel. Abgesehen von ca. 160 Coverversionen der Rio- und Scherben-Songs von A wie Annet Louisan über E wie Einstürzenden Neubauten und K wie Klee und Keimzeit (die momentan mit ihrer "Mensch Meier Tour" unterwegs sind) bis hin zu Z wie ZSK wird täglich über ihn, seine Ansichten und 'Texte diskutiert. Da weiß jeder irgendwas genauer und vor allem: besser. Lutz Kerschowski (mit der gleichnamigen Band DDR-Newcomer des Jahres 1986 und Gitarrist der Rio Reiser Band von 1990-1996) verweist nicht zu Unrecht auf die Weisheit: „Wenn jemand beerdigt wird, beerdigt jeder, der um den Sarg steht, einen anderen." Anlass dieses Zitates ist die stark umstrittene (inoffizielle) Biografie über Rio „Das alles und noch viel mehr" von Hollow Skai. An dieser stoßen sich viele Menschen, die Rio nahe standen - der Autor hätte vor allem die letzten zehn Jahre des Sängers und Komponisten nicht nur verdreht, sondern auch verfälscht. Es folgte eine Klage, die gefundenes Fressen für die Medien war. Schnell wurde von Zensur geredet, was selbstredend für einen Skandal sorgte.
Revoluzzer in Satin
Nach durchschlagendem Erfolg von „Keine Macht für Niemand" empfanden die Scherben den Mythos, der sie umgab zunehmend als Last. Diesem Druck konnten die Scherben nicht lange standhalten und lösten sich 1973 auf. Ein Jahr darauf fanden sie jedoch zueinander und die Vorbereitungen für eine neue Platte begannen rasch. Doch diesmal wollten sie nicht nur Kampflieder singen, sondern auch die eigene Klientel provozieren. Dass sie sich keine Freunde machen, als sie auf einem Solidaritätskonzert für ein besetztes Haus die revolutionären Massen mit Glitter bewarfen, war ihnen nicht nur bewusst, sondern auch beabsichtigt. Als Rio am Tag darauf mit einer grünen Satinjacke auf der dazugehörigen Demo erschien, wurde er von den mit Parkas uniformierten Demonstranten bespukt und verhöhnt. Die Scherben durften seit dem nicht mehr auf 1. Mai-Demos auftreten. Missverstanden und beschimpft, zogen sie sich 1975 in einen Bauernhof nach Fresenhagen, zwischen Flensburg und Sylt, zurück.
Zauberland
Als Rio kurz nach der Wende den Titel „Zauberland" veröffentlichte, ging es hierbei nicht um den Abgesang der DDR, wie viele es interpretierten, sondern um die Freie Republik Fresenhagen - denn diese war drei Jahre nachdem die Scherben aufs Land gezogen sind, von ursprünglich 16 auf 4 Bewohner geschrumpft: Rio, Lanrue, Schlagzeuger Funky und Britta Neander (später wurde Britta mit der Frauen-Punk-Band Carambolage bekannt). Nach Rios Tod wandelte sich Fresenhagen zu einer Art Wallfahrtsort. Hier wurde Rio von einem Pastor begraben, was viele orthodoxe Scherbenfans scharf kritisierten. Dass Rio neben Franz Josef Strauß der Einzige ist, der auf eigenem Grundstück begraben ist, hat Rio neben dem Einsatz der Brüder Peter und Gert Möbius der damaligen Ministerpräsidentin Heide Simonis zu verdanken. Der Bauernhof in Fresenhagen ist auch Austragungsort des Rio-Reiser-Songpreises – den Nachwuchspreis für Songs mit deutschen Texten. Kurz nach Rio Reisers frühem Tod haben sich Freunde, Weggefährten und Angehörige vorgenommen, den Rio-Reiser-Songpreis für Junge Talente auszuloben, die den weltoffenen und humanistischen Gedanken von Rio mittels ihrer eigenen Songs weiter tragen." - so die Veranstalter. Den Songpreis 2003 haben übrigens Juli gewonnen. Im diesen Jahr steht das Motto unter: „Ich leb doch" – nach einem Song von Rio auf RIO I. Die offizielle Preisverleihung, verbunden mit einem Live-Auftritt, findet dieses Jahr erstmalig im Rahmen der Musikmesse Pop-komm statt.
Keine Musikbox
Die Scherben fühlten sich sehr schnell als Musikbox missbraucht und hatten keine Lust, irgendwelche Dinge zu bedienen. Bei einem Konzert in Saarbrücken 1982 beschwert sich Rio kindlich-eingeschnappt: „Ich find das so bescheuert, ja... dass ihr auch noch während nem Song Rauchhaussong zum zweiten Mal hören wollt. Was glaubt ihr denn, wer wir sind, ey? Ne Musikbox oder was? Ihr könnt ihn nachher alleine singen. Braucht ihr uns dazu oder was?" Schulden und Ärger mit dem Vertrieb brachten die legendäre Ära der Scherben zu einem jähen Ende. Im Einvernehmen löste man sich 1985 auf - mit Prosecco und Küsschen, wie Hollow Skai in seiner (inoffiziellen) Biografie anmerkt. Dass die Scherben den Stein der deutschen Rockmusik ins Rollen brachten, ist wohl ihr größter Verdienst - es ging um Kunst, Experimente und Musik.
Schlagerfuzzi
„Ich habe mich verkauft, ich bin auf den Strich gegangen" sagte Rio selbst über sich und nahm damit den Leuten, die ihm seine kommerzielle Solokarriere vorwarfen, den Wind aus den Segeln. Der kommerzielle Erfolg ließ nicht nur den Schuldenhaufen der Scherben schwinden, sondern erreichte auch noch ganz andere Klientel - den Otto Normalverbraucher. Er wollte möglichst amerikanisch klingen, ohne einen bestimmten Stil zu kopieren. Das brachte ihm im ehemaligen Westen Spitznamen wie „Schlagerfuzzi" oder "Arbeiterverräter" ein. Im Osten dagegen erhielt er die Aufmerksamkeit, die ihm die andere Seite der Mauer nicht erteilen wollte. Als er ein Jahr vor der Wende die legendären zwei Konzerte in der Seelenbinder Halle in Ostberlin gab, war das nicht nur für die 6000 Zuschauer, die pro Abend für Ausverkauf sorgten, ein einschlägiges Erlebnis. Auch Rio genoss sichtlich die Atmosphäre und die Ehre, die man ihm entgegenbrachte.
Später hat er sich selbst eingestanden, dass er für diese Art Business nicht geschaffen ist. Interviews, diverse Promotion-Termine und fehlende Plattenverkäufe setzten ihn zunehmend unter Druck und waren am Ende eine Qual. Rio habe laut Hannes Eyber (Produzent und Co-Texter sowie Co-Autor der Rio Reiser Autobiografie) schließlich, von Sony aufs Abstellgleis geschoben, zurückgezogen gelebt.
Gebrochenes Herz
Als Rios Freund Jan am Nachmittag des 20.8. 1996 von einem Spaziergang mit Rios Hund wieder kam, fand er den „König von Deutschland" tot vor. Auch wenn man Rios Gesundheitszustand am Tag seines Todes als schlecht bezeichnen kann (was nicht ungewöhnlich war, da er einen Alkoholentzug machte), kam der Tod für alle überraschend und vor allem viel zu früh. Es heißt, es sei ein Kreislaufkollaps gewesen, der sein Herz zum Stillstand brachte. Manche behaupten metaphorisch, er wäre an einem gebrochenen Herzen gestorben. Peter Möbius sagt in der inoffiziellen Biografie: „Er hat nicht genug Liebe gehabt, das hat nicht gereicht, das hat ihn unglücklich gemacht." Zudem war er schlichtweg überfordert mit der Rolle, die ein Solokünstler einnehmen muss. Dass ihm die Verantwortung, die er auch gegenüber seiner Band hatte, oft zu groß war, sagte er nicht nur einmal.
Halt dich an deiner Liebe fest
Wenn es um Rio Reiser geht, werden viele Eitelkeiten von Angehörigen, Wegbegleitern oder der Fans privatisiert. Schaut man sich die Pinwand der einschlägigen Rio Reiser Homepage an, könnte man meinen, die dort Anwesenden haben zumindest einmal mit ihm geschlafen und könnten sich deshalb ein umfassendes Urteil über Rio und dem Umgang mit seinem Nachlass erlauben. Fundamentalistische Scherbenfreunde drohen nicht nur Gert Möbius mit dem Tod, sie werfen auch diversen anderen Freunden und Kollegen Rios Grabschändung und Amtsanmaßung vor. So zum Beispiel „Neues Glas Aus Alten Scherben", einem Zusammenschluss aus Musikern der Scherben sowie der Rio Reiser Band. Dirk Schlömer (Gitarrist der Band): „Es gab einen Haufen Songs, die nie wirklich live gespielt worden sind und die wir ins neue Jahrtausend transportieren wollten". Inzwischen gibt es jede Menge neue Lieder, denn die Zeit ist reif für den Blick über einfache Erklärungsmuster hinaus, die oft nur für eine bestimmte Zeit Gültigkeit besitzen.
Und nun kommt ein Hollow Skai und möchte den Menschen hinter Aura und Legende sichtbar machen. Dass dabei einige unschöne Dinge erwähnt werden, bleibt nicht aus und ist auch nur selbstverständlich. „Die Familie Möbius und das Rio Reiser Archiv bemühen sich um den musealen Schutz seines Nachlasses. Das ist sehr lobenswert, doch leider werden andere Lesensarten des späten Rios dabei nicht akzeptiert', so Dirk Schlömer. Bleibt hinzuzufügen, dass sich nach dem Lesen der (inoffiziellen) Biografie kein negativeres Bild ergibt – zumindest nicht für mich. Wer Rios Musik mag, der wird sie immer mögen - und darum sollte es bei aller Privatelei trotz allem gehen. Seine rotzige Stimme geht durch einen durch und trifft das Herz in der Zwölf. Man kann sich nur verneigen vor Rio, der mit den Scherben so viel bewegt hat und dessen Lieder in die Knie gehend schön sind. Blixa Bargeld bringt es auf den Punkt: „Ich habe noch nie jemanden in Deutschland singen gehört und gesehen, der wie Rio in der Lage war, innerhalb von Sekunden eine intime Beziehung, geradezu eine Liebesbeziehung, mit jedem einzelnen seiner Zuhörer aufzubauen." Rio, du fehlst.
Zeitleiste
1950
Rio wird als Ralph Möbius am 9.Januar 1950 in Berlin geboren. Wiederholt zieht er mit seinen Eltern in die verschiedensten Städte, schließlich lässt sich Familie Möbius in Hessen nieder.
1964
Die Beatles haben es Rio angetan, später die Stones. Rios Brüder Gert und Peter gründen ein Wandertheater, der 14jährige Rio steuert erste Kompositionen bei. Außerdem ist Rio Sänger einer Schülerband, die „Surfriders".
1965
Rio bricht mit 15 Jahren die Schule ab und beginnt eine Fotografenlehre. Nebenbei arbeitet er weiterhin im Theater seiner Brüder mit und bekommt den Künstlernamen Rio de Galaxis. Später wird daraus Rio Reiser - in Anlehnung an den mehr als 200 Jahre alten Karl-Phillip-Moritz-Roman „Anton Reiser".
1966
Weitere Banderfahrungen sammelt Rio bei den „Beat Kings" und „Degalaxis". Abbruch der Fotografenausbildung, Rio will Berufsmusiker werden.
1967
Rio folgt seinen Brüdern an das Berliner Forum-Theater. Sie planen die erste Beat-Oper der Welt („Robinson 2000") und brauchen ihren Bruder als Komponisten. Die Oper ist jedoch kein Erfolg.
1968
Rio gründet mit seinen Brüdern in Berlin „Hoffmanns-Comic-Teater (HCT).
1970
Gründung von Ton Steine Scherben, benannt nach einem Zitat des Troja-Entdeckers Heinrich Schliemann: "Was ich fand, waren Ton, Steine, Scherben". Gemeinsam nehmen sie „Macht kaputt, was euch kaputt macht" und „Wir streiken" als Single auf. Auftritt beim „Festival der Liebe" (hier spielt auch Jimi Hendrix - zwölf Tage vor seinem Tod). Rios erste Filmmusik.
1971
Gründung einer Kommune, Besetzung des leer stehenden Bethanien-Krankenhauses. Daraus resultiert musikalisch der legendäre „Rauch-Haus-Song", fortan Kampflied der Hausbesetzerszene. Veröffentlichung der ersten LP "Warum geht es mir so dreckig?" Weitere Filmmusik.
1972
Die zweite (Doppel-)LP „Keine Macht für Niemand" folgt, zweifelsohne das bekannteste Scherben-Album (mit Songs wie „,Allein machen sie dich ein, "Der Traum ist aus"). Film- und Theatermusiken.
1973
Veröffentlichung der Kinder-LP "Herr Fresssack und die Bremer Stadtmusikanten" mit dem HCT. Die Scherben geraten in eine tiefe Krise. Ende des Jahres löst sich die Band erstmals auf.
1974
Wiedervereinigung der Scherben, zum Teil mit neuen Musikern (diverse Besetzungswechsel gab es auch in den Jahren zuvor).
1975
Das dritte (Doppel-)Album „Wenn die Nacht am tiefsten..." erscheint, zeitgleich ihre Emanzipation von der linken Szene. Diverse Theatermusiken. Die Scherben verlassen Berlin und ziehen aufs Land - nach Fresenhagen.
1976
Nach den Turbulenzen der letzten Jahren inkl. zwei großer Tourneen zieht sich die Gruppe ins eigene Studio zurück und arbeitet vor allem an Auftragsproduktionen (neben Film- und Theatermusiken die Kinderplatte "Teufel hast du Wind", „Paranoia" mit Rote Rübe, die Brühwarm-Alben „Mannstoll" und „Entartet")
1977
Rio spielt im Film „Jonny West", hierzu wählt er erstmals das Pseudonym Rio Reiser. Für seine Rolle erhält er den Bundesfilmpreis in Gold.
1978
Es kriselt bei den Scherben, beinahe zweijährige Funkstille. Rio komponiert weiterhin Film- und Theatermusiken. Filmrolle in „Die Nacht mit Chandler"
1980
Filmrolle in „Total vereist" (gleichzeitig auch Filmmusik). Neustart der Scherben in neuer Besetzung und unter anderen Gesichtspunkten.
1981
Die Scherben haben sich musikalisch stark weiter entwickelt, Beleg: die vierte LP "TonSteineScherben IV", auch die Schwarze genannt. Ebenfalls erscheint „Ton Steine Scherben - Auswahl 1970-1981".
1982
Die heutige Grünenpolitikerin Claudia Roth übernimmt die Organisation der Scherben. Sie gehen nach fünfjähriger Pause wieder auf Tour.
1983
Die Scherben haben immer größere finanzielle Probleme, auch das fünfte Werk „Scherben" hilft nicht, es werden zu wenige Einheiten verkauft.
1984
Rio wandelt erstmals auf Solofüßen, an seiner Seite George Glück als Manager und Annette Humpe (Ideal, heute: Ich + Ich) als Produzentin. Die erste Solo-Single „Dr. Sommer" wird aber nur ein Achtungserfolg. Mit den Scherben wird das erste Livealbum aufgenommen.
1985
Veröffentlichung des Scherben-Livealbums „In Berlin 1984". Auflösung von Ton Steine Scherben. Weitere Schritte in Sachen Solokarriere. Filmrollen in „Geschichten aus 12 und einem Jahr" und „Der Doppelgänger", für beide Filme schreibt Rio auch die Musik.
1986
"RIO I" - das erste Soloalbum mit Hits wie "Alles Lüge" und vor allem „König von Deutschland" katapultiert Rio in oberste Chartsregionen.
1987
Nach 15 Jahren Ton Steine Scherben (!) wird Rio zum „Newcomer des Jahres" gewählt. Das zweite Soloalbum "Blinder Passagier" erscheint.
1988
Rio kommt nach Ostberlin und spielt zwei umjubelte Konzerte in der Werner-Seelenbinder-Halle. Jahre später wird ein Livemitschnitt davon auf CD und DVD veröffentlicht.
1989
Filmrolle in „Der Schönste", diverse Filmmusiken, darunter Tatort-Krimi „Der Pott".
1990
Drittes Solo-Album „Rio ***" wird veröffentlicht, welches wegen synthetischer Klangteppiche ungewöhnlich bleibt. Einen Teil der Auflage gibt es für Ostmark in der DDR. Rio bekommt den "Fred-Jay-Preis" für die besten Schlagertexte (die er für Marianne Rosenberg schrieb). Rio tritt der PDS bei.
1991
Das vierte Solowerk „Durch die Wand", das letzte unter den Produktionsfittichen von Udo Arndt. Glücklicherweise ist die Synthetik dem Rock wieder gewichen.
1992
Rio begleitet Marianne Rosenberg am Klavier in Frankfurt/Main während des Antirassismuskonzertes „Heute die, morgen du".
1993
Album Nummer 5 „Über Alles" — produziert von Annette Humpe. Bühnenmusik für das Berliner Schillertheater.
1994
Rios erstes Best Of-Album „König von Deutschland — Das Beste" vereint die besten Songs aus seinen fünf Soloalben sowie eine Akustik-Version vom „König von Deutschland" mit neuem, aktualisiertem Text. Außerdem wird seine Autobiographie „König von Deutschland" veröffentlicht. Filmrolle im Tatortkrimi "Im Herzen Eiszeit".
1995
Am 2.5. zeigt die ARD den Tatort mit Rio. Das sechste Soloalbum „Himmel und Hölle" erscheint.
1996
Filmrolle in „Die Gang", Filmmusik für einen „Polizeiruf". Erscheinen des Scherben-Albums „Live II". Rio stirbt am 20.August in Fresenhagen.





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