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Datum

00.06.1981

Medium

Musix Express/Sounds

Ausgabe

6/1981

Seite

66

AutorIn

Michael O.R. Kröher

Ton Steine Scherben

David Volksmund-Produktion 001

Sicher verleidet mir allein das lästige Schwarzcover schon einen Gutteil der Vorfreude auf das langerwartete, herbeigesehnte und von hochgesteckten Hoffnungen begleitete Doppelalbum der alten Meister von Ton Steine Scherben. Nicht mal der Name der Band steht außen drauf.

Immerhin hat es ja fast sechs Jahre gedauert, bis die Sloganmaschine der linken Bewegungen ("Macht kaputt, was euch kaputt macht!", "Keine Macht für Niemand!") wieder eine Platte unter eigenem Namen veröffentlicht hat - auf MANNSTOLL von Brühwarm ('77) spielten sie lediglich mit.

Eins läßt sich zweifelsfrei über das vorliegende Werk sagen: es setzt die mit der WENN DIE NACHT...-LP begonnene Linie fort - kein Parolenschwingen, kein Schlagwortgeklopfe mehr, eher Ich-bezogene Privatlyrik. Was nicht heißen soll, daß heiße Eisen wie Heroin oder Konsumterror unangerührt blieben. Sie werden bloß nicht zu Kampfschwertern umgearbeitet, sondern zu Werkzeugen, mit denen sich in Haus und Hof manch Nützliches vollbringen läßt. Womit eigentlich schon alles gesagt sein sollte (vorausgesetzt, meine Metapherndrechslerei ist noch wenigstens im Ansatz verständlich).

Musikalisch scheinen die letzten zehn Jahre spurlos an den Scherben vorübergegangen zu sein. Die Erfindung und der Einsatz irgendwelcher elektronischer Instrumente hat sich jedenfalls nicht bis zu ihrer Einsiedelei herumgesprochen. So klingt denn auch die gesamte Musik deftig haus-, bisweilen leider altbacken. Am liebsten mag ich die gegenwärtigen Scherben, wenn sie "Good time music" machen. (Wer hätte vor neun Jahren je prophezeit, daß ausgerechnet diese Kategorie auf die Autoren von "Ich will nicht werden, was mein Alter ist" angewendet würde?) Das sind vor allem die Stücke "Alles ist richtig" ("Wo ist meine Schweinehälfte? Wo ist denn der Klopfsauger?"), "Ich hab' nix" ("...und du hast nix. Laß uns was draus machen! - Ahaa!") oder "Der Turm stürzt ein".

Der Schwerpunkt meiner Kritik liegt jedoch weder beim Text noch bei der Musik. Wenn sich eingestandenermaßen linke Leute zur Warenproduktion entschließen (und jede öffentlich vertriebene Platte ist eine Ware), dann muß auch diese Ware einen Gebrauchswert haben, der sich mit ähnlichen Waren vergleichen läßt. Das Album der Scherben hat allerdings eine derart lausige Fertigungsqualität, daß es nicht mal die Qualitätsansprüche jedweder Prüfungskommission der Mongolischen Volksrepublik bestehen würde. Es rauscht, knackt und rumpelt, daß eine Herde phlegmatischer Yaks in Panik geraten müßte. Das Preßmaterial ist so weich und brüchig, daß die Texte schon nach fünf- bis sechsmal Abspielen im allgemeinen rosa Rauschen untertauchen. Wen ärgert's dann noch, daß Textblatt sowie sämtliche Angaben über Besetzung oder Instrumentierung fehlen? Vertrieb: David Volksmund-Produktion, 2283 Fresenhagen

Rezension zum Tonträger

IV - Die Schwarze (Ton Steine Scherben, 1981)
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